Art Gallery

Uwe Bremer - „Stille und Zeit“

Die hier gezeigten Bilder enstammen dem Katalog „Stille und Zeit“. Der Katalog stellt rund 60 Werke von Uwe Bremer vor, von diesen werden in dieser Online-Ausstellung 36 gezeigt. Diese zwischen 1997 und 2007 entstandenen Bilder sind zum größeren Teil Stilleben, die dem Rezipienten Eintritt in die Welt des Phantastischen, Abgründigen, Absurden und Grotesken gewähren.

Im malerischen Oeuvre, des am 16. Februar 1940 in Erfurt geborenen Uwe Bremer, nimmt die Gattung der Stilleben seit dem Jahr 2002 einen prominenten Platz ein. Die Triebfeder seiner künstlerischen Auseinandersetzung und intensiven Beschäftigung mit dem Thema Stilleben entsteht bei Bremer aus dem vom Künstler wahrgenommenen Paradox von Stille und Zeit, die sich im Bild Ausdruck verschafft. In einem Stilleben wird die Zeit scheinbar eingefroren und doch steht diese nicht still. Künstler, Betrachter und Kunstwerk befinden sich im Fluss der Zeit. Bremer findet für seine Stilleben höchst unterschiedliche Bildlösungen und erzielt komplexe Kompositionen, die er zwischen den Polen Bewegung und Ruhe ansiedelt. Auf diese Weise wird der Bildraum betretbar und die Zeit des Betrachters wird zur Bildzeit. Das abgebildete, grotesk anmutende Motiv ist nicht länger als ein fernes und unerreichbares gekennzeichnet, das einer anderen Zeitdimension angehört. Die unterschiedlichen Zeitdimensionen des Rezipienten und des Stilleben verschmelzen und sie teilen sich denselben Augenblick. In diesem Sinne und durch die Interaktion ist das Bild zeitlich.

Bremers jahrzehntelange Beschäftigung mit der Genese des Universums, der Kosmologie und Astronomie, Quantentheorie und Astrophysik bilden die Fundamente seiner Bildfindungen. Uwe Bremer beschreibt das Zustande-kommen seiner Bildideen folgendermaßen: „Die Entwicklung des Universums seit dem Urknall, Schwankungen der kosmischen Hintergrundstrahlung, chaotische Bewegungen der Gestirne, die Gravitation der schwarzen Löcher, der Fluss der Elektronen, Fluktuationen im Vakuum, die exotischen Schwingungen der Strings sowie das stetige Anwachsen der Entropie bilden die dunkle Energie, mit deren Hilfe die rätselhaften Bilder entstehen.“

Uwe Bremer inszeniert mit seinen Bildmotiven einen Kosmos und ein Raum-Zeitkontinuum, in denen Mittelalter und Science-Fiction zu albtraumhaften Szenarien verschmelzen, die von bizarre anmutenden Wesen (Selbstporträts) bevölkert werden, die gelassen mit den Mysterien des Sonnensystems spielen. Indem Bremer seine Wahrnehmung des Universums im Bildkontext des Stillebens spürbar werden lässt, wird die unüberbrückbare Distanz von Verstand und Sache in paradoxer Verschränktheit anschaulich erfahrbar.